Auszug aus dem Testament Graf Heinrich IV. von Sayn - 1592

(nach: "Staatsrecht der Reichs-Grafschaft Sayn", entworfen von Johann Jacob Moser, Anno 1749)

Uff den Fall dann wir ohne Hinterlassung ehliger Leibs - Erben mit dem Tod verfahren würden; So benennen, setzen, instituieren und machen wir nunmehr und an statt wohl ermelts unseres verstorbenen lieben Bruders, Grafen Hermanns zu Sayn, sc. Christseeligen, dessen L. hinterlassene Eheliche Tochter die auch Wohlgeborne Anna Elisabeth, gebohrene Gräfin zu Sayn, Gräfin und Frau zu Wittgenstein sc. unsere freundl. Liebe Tochter und Baase und Ihre Manns - Erben, so sie nach GOttes Segen mit ihren itzigen Herrn und Ehegemahl dem auch Wohlgebohrenen Wilhelm v. Sayn, Grafen zu Wittgenstein sc. unserm lieben Vettern und Sohn, bekommen möchte, in allen und jeden unsern noch unverschriebenen und unvermachten Nachgelassenschafften, sowohl Lehen= als Allodial - Gütern, wie die seyn und Nahmen haben möchten, davon nichts ausgenommen, die mit allen Forderungen, Rechten und Gerechtigkeiten nach unserm Christl. Ableiben, an unser statt zu haben, zu besitzen; damit zu thun und zu lassen, inmassen wir bey unseren Lebzeiten gethan, oder auch wohlermelter unser freundl. Lieber Bruder seeliger, da er unsern Tod erlebt hette, Kraffft hinvoriger Disposition hette thun sollen, können, oder mögen, ohne jemandts, wer der auch ist, Intrag oder Hinderung ,sc. sc.

Weil auch unsere liebe Basse, Dorothea Catarina, gebohrene von Sayn, Gräfin und Frau zu Sulz, weyland wohlged. unserem geliebten Brudern, Grafe Herrmann seeliger , auch uns und dem ganzen Haus Sayn allerhand Schimpf, Verdruß und Leidt, inmaße das I.L. selbsten, wie auch andern guthen Leuthen wohl bewusst, zugefügt; Ihr Herr und Ehegemahl auch uns fast genöthiger, dass wir S.L. viel mehr und weiter, als sonderlich nach jetziger Sachen Geschaffenheit einer Tochter von Sayn gebüret, zu S.L. Gemahlin wohlermelter unser Baaasen Heyrath=Geld und Ausfertigung verschreiben müßten, unangesehen auch daß weil. Ihr Herr Vatter, unser freundlicher lieber Bruder, Graf Adolff zu Sayn, sc. seel. sowohl unsere als S.L. Portionen, Lehen und eigenthümliche Güter mit merkl. Schulden, so zu mehrerm Theil noch unabgetragen, bechweret, dahern wir wohl befugt, Ihre L. allerdings auszuschließen, und weiter nichts zu verordnen, jedoch aus Vetterlicher Zuneigung, so legieren und verschaffen wir Ihrer L. zwey tausend Floren pro 15. Batzen, die obwohlgemeldte unsere Baase und Tochter, als unsere eingeschriebene Erbin, Fr. Anna Elisabetha Gräfin zu Sayn, sc. Frau zu Wittgenstein sc. oder von Ihrentwegen, deren mit ihrem jetzigen Herrn und Gemahl erziehlete Manns= Erben, nach unserm Absterben und aus unserer Verlassenschafft, gegen Quittung, und ein General=Verzigh sc. bezahlen und richtig machen. -- -- --

Wir wollen aber obangeregte Erb = Satzungen wohlgedachter unserer Freundl. Baasen und Tochter, Anna Elisabeth sc. anders und ferner nicht gemeinet, verstanden noch expediret haben, dann uff Ihrer L. von wegen deren Mannes = Erben , so sie verhoffentlich mit wohlermeldten Ihrem Herrn und Gemahl, unserm Vetter und Sohn Grafen Wilhelmen, sc. erziehlen möchten. Derohalben, da es sich nach dem Willen GOttes des Allmächtigen begebe, daß mehr wohlgemeldte unsere Freundl. Liebe Baase und Tochter Anna Elisabetha, gebohrene Gräfin zu Sayn, mit vor wohlermeldtem Ihrem Herrn und Ehegemahlen, unserm auch lieben Vettern und Sohn, Grafe Wilhelmen von Sayn, Grafen zu Wittgenstein, keine Manns = Erben erziehlen oder hinterlassen würdte; gleichwohl und in Erwegung, daß jetzt wohlermeldts unsers Vettern und Sohnes Grafe Wilhelms Vor = Eltern aus dem Hauses Sayn herkommen und gebohren, dahern mit uns eines Stammes, Namens, Geblüts und also nechste Agnaten seyend, sein Grafe Wilhelm L, auch sich mit unserm guten Wissen und Willen an wohlermeldte unsere Liebe Tochter und Baase verheyrathet, also und zu Ehren, Befürderung und mehrerm Aufnehmen des Geschlechts, auch wegen sonderliche Liebe und Neigung, wir jederzeit zu dem Hause wohlermeldter von Sayn, Grafen zue Wittgenstein ,sc. bevor aber dick wohlermeldten Unsern Vettern und Sohn, Grafe Wilhelm sc. getragen und noch, so ist unsere beständige Meynung, setzen, ordnen, und wollen auch hiemit und in Krafft dieses unsers Testaments und letzten Willens, uff den Fall, inmassen obgemeldte sie beyde keine Mannes = Erben von ihren Leibern gebohren haben würden, dass nichts destoweniger dick wohlgemeldter unser Vetter und Sohn Wilhelmen von Sayn, Grafe zu Wittgenstein, an statt seiner Gemahlin unser Baaß und Tochter in allen und jeden unsern Verlassenschafften, die seyen Lehen, oder eigen, unser substituierter Erb und Successor seyn, und da auch seine Lieben ohne Ehelichen Leibs = Manns = Erben mit Todte verfahren, dessen ältister ehel. Bruder, denen S. L. in zeit Ihrer Absterbens aus dem Haus und Geschlecht der Grafen von Wittgenstein sc. gebohren hinterlassen werde, Ihme in all solchem succediren, die und Ihre Nachkommen auch gleichwohl verbunden seyn sollen, alle die in diesem Testamente inverleibte Conditiones zu halten, erfüllen und zu vollziehen, oder sich solcher Verlassenschafft unfehig gemacht haben. Würde es auch der Allmechtige GOTT, nach seinem gnädigen Willen und also schicken, dass mehr wohlermeldte Unsere Tochter und Baase, Anna Alisabetha, wohlgemeldten Ihren Herrn und Ehegemahl Grafe Wilhelm von Sayn Grafen zu Wittgenstein überlebete, und nur allein Töchter, von S.L. in Erster Ehe erzeuget, oder aber sich darauf in fernere Ehe begebe, und darinnen Kinder, die wehren Söhne oder Töchter erziehlte, so sollen uff solche Fälle Sie unsere Baase und Tochter, vielweniger ihre Kinder, aller vorberührter unserer Nachlassenschafften, sonderlich Land und Leuth ferner nit pfehig, sondern sie, unsere Tochter und Baase, oder deren L. Kinder schuldig sey, gegen Empfahung einer gebührender Erstattung, uff beyderseits nechster Verwandten Freund Erachtung und Erkenntnis, abzutretten, und die dick wohlermeldtes unsers Sohnes Grafe Wilhelms hinterlassenen ältisten Bruder, und desselben hinderlassenen negsten Manns = Erben desselben Namens und Stammes, ohne einige Einrede oder Verweigerungen, erzehlter Gestalt folgen und bleiben zu lassen, alles zu dem Ende und dahin gerichtet und gemeint, uff dass die Grafschaft Sayn mit denen zugehörigl. Herrschafften, Land und Leuthen, Inmassen wir die innhaben, ungetrennet bey denen nechsten Agnaten unseres Stamms und Namens, soviel müglich, bleiben und erhalten werden möchten. Damit auch diß unser Testament und letzter Will in allen Puncten desto gewisser vollnzogen und gehalten werde, sezen und ordnen wir hiermit wohlbedächtlich, daß im Fall unser Zuversicht zuwider, unsere eingesetzt und substituierte, als auch deroselben Erben und Successores nach unserm Todt diesen unserm lezten Willen, sonderlich aber unser Christl. Religion betreffent, als auch in anderrn Puncten widerstreben und denselben nicht unverbrüchlich halten, und vollziehen würden, alsdann dieselbe per Ejusmodi ingratudinem, die Erbsatzung mit der That verwirckt haben, deroselben sich verlustig machen, und andern unsern ab intestato venientibus haeredibus, so diesem Testament gemäß leben würden, Ihre actiones contra ingratos haereded hiermit ausdrücklich vorbehalten seyn.

Setzen und ordnen auch ferners, auf den Fall, wieder unser Zuversicht, wohlvermeldtes unsers Sohnes und Vettern, Graf Wilhelms zu Wittgenstein, Herr Vatter und Bruder, oder anderer Ihr L.L. Erben für sich selbst einiges Rechtens, oder Forderung zu unser Graf= und Herrschafften nach unserm Todt sich anzumassen unterstehen, und diß unser Testament und lezten Willen in einigen Puncten anfechten und dargegen mit oder ohne Recht etwas thun und handelns würden, dass alsdann nit allein dieselbst was Ihnen dahero vielleicht gebühren möchten, sondern auch dadurch wohlbedachter Graf Wilhelm und seine Leibes = Erben unser Erb = Satzung verlustig gemacht seyn, und andere unsere nechste Erben, welche diesen unsern lezten Willen in allweg unverbrüchlich halten und vollziehen werden, an deroselben statt tretten, und unsere recht Erben auf den Fall hiemit verordnet und eingesezt seyn sollen. Wir wollen aber uns ausdrücklichen vorbehalten haben, thun das hiermit und in krafft dieses in bester beständigtster Form.