Carl Maximilian Lossen
Heimische Industrie
zur Entwicklung der heimischen Industrie: Carl Maximilian Lossen Mitbegründer und Erbauer der Concordiahütte in Als der herzoglich- nassauische Geheime Oberbergrat Carl Maximilian Lossen am 28. April 1861 für immer die Augen schloß, hinterließ er ein blühendes, in sich abgerundetes Werk mit einer gesicherten Rohstoffbasis, einer zuverlässigen Kundschaft und einer damals hochmodernen Ausrüstung, sein Neffe, Carl Wilhelm Lossen, wurde kaufmännischer Direktor, von Braunmühl technischer Direktor. Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre standen auf der CH 6 Puddelöfen, 4 Schweißöfen, drei Hämmer und 3 Walzenstraßen. 1869 wurde das Werk an die gerade fertiggestellte rechtsrheinische Eisenbahn angeschlossen. Der Vater von Carl Maximilian Lossen, der vormalige Leiter der Sayner-Hütte, damals noch Hüttenmeister benannt, hatte im Jahre 1818 von der Nassauischen Domänenverwaltung Pachtbetriebe übernommen. Seinem Sohn Carl Maximilian übertrug er die Leitung der gepachteten Michelbacherhütte, die dieser betreute, bis er im Jahre 1838 von seiner Familie für den Bau der Concordiahütte ausersehen wurde. Vater Lossen starb schon im Jahre 1821 und seinen Söhnen fiel die Aufgabe zu, das von ihm begonnene Werk fortzuführen. Die Pachtbetriebe arbeiteten unter der sachverständigen, zielbewußten Leitung der Brüder Lossen nutzbringend. In Michelbach und Emmershausen gliederten sie zur Steigerung der Wirtschaftlichkeit eigene Gießereien an. Die Sorge, was aus diesen Gießereibetrieben nach Ablauf der Pachtzeit werden würde, ließ den Entschluß reifen, ein eigenes Hüttenwerk zu bauen. Im Jahre 1832 bot sich die Gelegenheit zum Erwerb eines größeren Geländes am Rhein, der als günstiger und billiger Transportweg wohl ausschlaggebend für den Zuschlag war. Auf einer öffentlichen Versteigerung erwarben die Gebrüder Lossen in der Gemarkung Bendorf-Sayn-Mülhofen die "Rothe Mühle" und den "Rothen Hammer", wozu später noch die "Champagner-Mühle" kam. Die Rohstoffbasis hatten Lossens durch den Ankauf von Eisensteingruben im Nassauischen geschaffen. Die ersten Gebäude (Hochofen und Gießhalle) der Concordiahütte. Die im Jahre 1838 nachgesuchte Konzession zum Bau eines Hochofenwerkes und eines Walzwerkes traf erst im Dezember 1841 ein. Schon am 29. Oktober 1839 war der Grundstein zum ersten Hochofen gelegt worden. Dabei gab man dem werdenden Werk den Namen Concordiahütte. Mitte 1842 stand der erste Hochofen und der zweite war wenig danach fertig, so daß am 27.6.1842 die erste Schmelzcampagne beginnen konnte. Die stürmischen Umbruchs- und Entwicklungsjahre der damaligen Zeit hinderten Lossen, seine Baupläne in einem Wurf zu verwirklichen. Erst im Jahre 1853 konnte die Fürstl. Fürstenberg‘sche Maschinenfabrik in Sommerdingen mit der
Lieferung der Einrichtung für das geplante Puddelwerk beauftragt werden. 1854 kam die Neuanlage mit zwei Puddelöfen, einem Schweißofen, einem Blechglühofen, Walzwerkmaschinen und Dampfhammer in Betrieb. Der Ausbau des Walzwerks auf die geplante Kapazität zog sich bis zum Jahre 1860 hin. Allzu früh, wenig mehr als 20 Jahre nach der Grundsteinlegung zum ersten Hochofen, nahm der Tod dem 68 Jahre alten Carl Maximilian Lossen das Steuerrad, das er mit großem Fachwissen und - können, mit unternehmerischer Initiative und mit Weitblick zielstrebig und sicher führte, aus den Händen. Er hinterließ ein nach den damaligen Erkenntnissen der Technik modernes Hüttenwerk mit gesicherter Rohstoffbasis. Sein Name bleibt nicht nur für immer mit dem von ihm erbauten Werk verbunden. Auch durch sein Wirken im öffentlichen Leben war er eine anerkannte, hochgeschätzte Persönlichkeit. So ist die Gründung des ersten Roheisensyndikats im Jahre 1851, des "Vereins zum Verkauf nassauischen Holzkohlenroheisens" sein Werk. Parlamentarisch tätig, kämpfte er für die Idee des Zollvereins und für die Schaffung größerer Märkte. Seinem Einfluß ist es zu verdanken gewesen, daß der Handelsvertrag Preußens mit Belgien 1853 nicht erneuert und für die Roheiseneinfuhr ein normaler Zoll erhoben wurde. Diesem tatkräftigen Wirken für die Allgemeinheit blieb die öffentliche Anerkennung nicht versagt: 1840 wurde ihm der Titel "Herzoglich Nassauischer Bergrath" verliehen, und im Jahre 1841 ehrte man Lossen durch die Verleihung des "Rothen Adlerordens IV. Klasse", 1846 brachte den Titel "Oberbergrath", 1850 überreichte der "Verein zum Schutze vaterländischer Arbeit" ein Diplom, das Verdienste und patriotische Gesinnung ehrte, 1851 überbrachte eine Deputation von Hüttenbesitzern des Herzogtums Nassau und des Herzogs von Wittgenstein einen "werthvollen Silberpokal", wie Lossen in seinem Tagebuch niederschrieb, mit den Emblemen seiner Tätigkeit "sinnreich verziert". Aus einer Werbeschrift (um 1890) So dürfen wir heute in Dankbarkeit und Ehrfurcht des Mannes gedenken, der unsere Concordiahütte baute, ein Werk, daß nachdem es ca. 160 Jahre überdauerte und für viele Menschen in unserem Heimatgebiet und den angrenzenden Wohngebieten die Existenz-Grundlage darstellte nur noch geschichtliche Erinnerung ist. Die Concordiahütte bezw. "Lossens Hett" wie sie auch bis in die letzten Tage noch liebevoll von den Einheimischen genannt wurde, war der Mittelpunkt, nicht nur geographisch gesehen, sondern auch im täglichen Leben von Generationen industriell tätiger Menschen. Hinweis auf Seiten mit ähnlichem Thema: Die Entwicklung der heimischen Industrie Wilhelm Remy ist der eigentliche Gründer der Concordiahütte
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