Feld & Hahn
Heimische Industrie
Vorwort und Einführung von Werner Kutsche Werkansicht aus dem Jahre 1947 Die Geschichte eines Unternehmens ist das Werk der Menschen, die ihm verbunden waren und eine Folge von technischen, wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Ereignissen, die es prägten. Gerade die letzten 150 Jahre brachten - wie keine andere Zeit vorher - große technische und wirtschaftliche Entwicklungen, die sich in jüngster Zeit noch zunehmend beschleunigt haben. Aber nicht nur auf technischem Gebiet hat sich viel verändert, sondern auch im allgemeinen gesellschaftlichem Zusammenleben haben sich die moralischen und sittlichen Normen verändert. Auch in Politik und Wirtschaft haben wir einen Verfall der Werte-Begriffe festzustellen. "Treu und Glaube" ist ein Begriff von vorgestern und einmal gegebene Versprechen zählen heute nicht mehr. Der Inhaber oder Betriebsleiter einer Firma galt in früherer Zeit als Garant für einmal gegebene Zusagen, in heutiger Zeit sind Aufsichtsräte und Manager von Firmen scheinbar solcher Fesseln ledig. Profit oder "Gewinn-Maximierung", wie es auf neudeutsch so schön heißt, sind die einzigen Maximen. Der einzelne Mensch, der Arbeiter oder ganze Firmenbelegschaften spielen in diesem Zusammenhang keine Rolle. Einmal in die Fänge eines großen Konzerns geraten, ist das "Wohl und Wehe" einer Belegschaft einer "Konzerntochter" nur noch von geringem Wert für die "Mutter". Exemplarisch sei dafür die Geschichte vom Aufstieg und Niedergang der ehemaligen Bendorfer Firma "Feld & Hahn". Der wirtschaftliche Niedergang der Bendorfer Schwerindustrie zu Ende des 20.Jahrhunderts, die mit der Schließung mehrerer großer Werke der Eisen- und Stahlindustrie und der Werke für die Herstellung feuerfester Produkte ihren Höhepunkt fanden, ist, um es direkt zu sagen, nicht der Grund dafür, daß die traditionsreiche Firma "Feld & Hahn" von der Konzernmutter "Klöckner- Humbold- Deutz" ("KHD") zum Jahresende 1998 geschlossen wurde. Nach 123 Jahren Firmengeschichte "Feld & Hahn" gilt es nun ein wenig inne zu halten und uns mit der Vergangenheit dieses, für die Bendorfer Wirtschaftsgeschichte so wichtigen Industrie- Unternehmens, zu beschäftigen. Nicht nur als Zulieferer für die heimische Industrie, sondern auch als Arbeitgeber für eine große Anzahl besonders geschulter Spezialisten - sei es als Handwerker oder Techniker - im Bereich des Kessel- und Apparatebaus, schmerzt besonders die Schließung dieses Werkes. Gerade für die chemische und metallverarbeitende Industrie war "Feld & Hahn" ein Vorreiter innovativer Entwicklungen auf dem technischen Sektor und galt auf der Arbeitnehmerseite als Speerspitze im Kampf um mehr soziale Gerechtigkeit. So erscheint uns heute, mit ein paar Jahren Abstand zur Schließung des Unternehmens, ein geeigneter Zeitpunkt zu sein, die Vergangenheit zu betrachten, aus ihr zu lernen und vorwärts zu schauen, um die Aufgaben der Zukunft zu begreifen. Kurzer Abriß der Firmengeschichte Feld & Hahn vormals: Feld & Vorstman GmbH vormals: Johann Reuber, Kesselschmiede Fabrik für Apparate- und Dampfkesselbau Bendorf a/ Rhein von Werner Kutsche Die Belegschaft der Fa. Johann Reuber. Eine Aufnahme von 1884 1875 wurde von Johann Reuber aus Bendorf eine Kesselschmiede gegründet. Diese Kesselschmiede war eines der ersten Unternehmen, die den strengen Qualitätsanforderungen, die bezüglich auf Material und handwerkliche Verarbeitung bei der Herstellung von Kesselanlagen des damals neu gegründeten (1873) Dampfkessel- Überwachungsvereins (DÜV), des Vorgängers des heutigen TÜV, entsprachen. 1896 übernahm die 1884 gegründete Firma "Feld & Vorstman" des Ingenieuers Ernst Feld und seines Schwagers Ingenieur Adrian Vorstman die Firma Reuber. Aus ganz kleinen Anfägen hatte sich "Feld & Vorstman" mit der Herstellung von Kleingewerbekesseln, Behältern, Rohrleitungen und ähnlichen Blecharbeiten emporgearbeitet. Den größten Aufschwung nahm die Firma jedoch erst nach 1896, nachdem man Eindampfapparate entwickelte, mit denen man die Abwässer bei der Herstellung von Seifen destilieren konnte und dabei wertvolles Glycerin erhielt. Apparateteile für eine Seifenfabrik in Argentinien Neben dem allgemeinen Apparatebau für die Großchemie erweiterte man die Produktpalette dadurch, daß man auf dem Gebiet der chemischen Öl- und Fettverarbeitung auf die grundlegenden Forschungen des Chemikers Walter Feld, einem Bruder des Ernst Feld, zurückgreifen konnte und die für die chemischen Prozesse notwendigen Apparaturen selbst herstellen konnte. Viele Patente sind aus dieser fruchtbaren Symbiose von Forschung und Technik entsprungen. In der Wirtschaftskrise 1928/30 kam die Firma "Feld & Vorstman" in finanzielle Schwierigkeiten und fand in Josef Hahn einen neuen Teilhaber und Geldgeber. Der Name der Firma lautete nun "Feld & Hahn", Fabrik für Apparate- und Dampfkesselbau GmbH. Die Zeit vor und während des 2.Weltkrieges bedeutete für das Unternehmen "Feld & Hahn" eine Zeit großer wirtschaftlicher und technischer Erfolge. Diese waren auch daran zu sehen, daß die Firma "Feld & Hahn" die Forschung zur Kohle- Hydrierung, hier besonders der Braun- Kohle zu Roh-Benzin und die Entwicklung der dafür benötigten Anlagen bis zur Serienreife vorrangetrieben hatte. Die von der Deutschen Rüstungsindustrie während des 2.Welkrieges zu Leuna errichtete Raffinerie bassierte auf den Patenten und Entwicklungen von "Feld & Hahn". Josef Hahn Die Bedeutung der Firma "Feld & Hahn" für die deutsche Kriegswirtschaft war so groß, daß von einer d u r c h s c h n i t t l i c h e n Belegschaft von ca. 90 - 120 Ingenieuren und Technikern, bzw. Handwerkern, nur 1 Mann den Gestellungsbefehl zur Front bekam und alle anderen als "UNABKÖMMLICH" reklamiert wurden. Mit dem Kriegsende 1945 begann eine schwere Zeit für das ansonsten baulich unbeschädigte Werk. Durch die scharfen Restriktiktionen der Militärverwaltung konnte der bisherige Exportmarkt nicht mehr beliefert werden. Alle Auslands- Devisenkonten waren gesperrt und beschlagnahmt. Rohstoffe und Ersatzteile waren nur in beschränktem Maße zu beschaffen. In dieser Periode verstarb plötzlich Dr. Hans Feld (1947), der die Firma leitete. Das Hauptarbeitsgebiet war zur damaligen Zeit die Reparatur vorhandener Anlagen der chemischen Industrie. Mit der deutschen Währungsreform 1948 ging auch diese schwere Zeit vorrüber und die Firma begann wieder zu florien. Mit dem Stamm vorzüglich ausgebildeter Werkleute und Ingenieure konnte die Firma bald wieder mit den Bau größerer chemischer Anlagen beginnen. Mit ihrem Wissen und den Patenten auf dem Gebiet der Industrie der Fette und Öle und der Kohle- Hydrierung sowie einem hochwertig technischen "Know-how" im Apparatebau konnte die Firma "Feld & Hahn" wieder einen geachteten Platz in der deutschen chemischen Industrie finden. Nach anfänglicher Kooperation übernahm 1969, während der "Ölkrise", die Kölner Firma "Klöckner Humboldt Deutz" ("KHD") vollständig die Firma "Feld & Hahn". Ziel war die Erlangung des "Know- how" und der Patente zum Bau von Destillationsanlagen zur Gewinnung von Pflanzenölen. Das Werk in Bendorf firmierte auch weiterhin als "Feld & Hahn" GmbH. und wurde auch im alten Umfang weiterbetrieben. Nach geschäftlichen Mißerfolgen der Fa. "KHD" auf ganz anderen Sektoren, wurde 1987 bei "KHD" eine Sanierungsphase eingeläutet. Als kleiner Teilbereich des Konzerns sollte dabei die Schließung der Abteilung "Apparatebau" zugunsten des Kerngeschäftes, wie es damals hieß, erfolgen. 1993; Proteste der Belegschaft, Politik und Bevölkerung gegen eine Schließung von "F & H" Während 1987 die Schließung von "Feld & Hahn" durch die Proteste der Belegschaft, der örtlichen politischen Parteien und von der einheimischen Wirtschaft noch erfolgreich abgewendet wurde, erfolgte aber 1993 trotz Protestes der Belegschaft und der Bevölkerung sowie der Kirchengemeinden von Bendorf die Schließung der Abteilung "Apparatebau". Die produzierende Belegschaft, zuletzt noch ca. 70 Mann, wurde mit Hilfe eines Sozialplanes abgefunden und entlassen. Die Abteilung "Ingenieurbüro und Entwicklung" verblieb weiterhin im Werk Bendorf. Noch 1995 war in der Presse zu lesen, daß sich das Unternehmen "KHD" wieder im Aufwind befindet und es noch Hoffnung für "Feld & Hahn" gäbe. Aber um so überraschender war der Beschluß des Vorstandes von "KHD" zur Schließung des Ingenieurbüros von "Feld & Hahn" zum 30.09.1998. Er bedeutete das endgültige "Aus" für die Firma "Feld & Hahn". In ihrer 123jährigen Geschichte hat die Firma "Feld & Hahn" mit mehr als 500 Anlagen, die in über 40 Länder geliefert wurden, den Namen Bendorf in der ganzen Welt bekannt gemacht. Dieser Bericht ist erschienen 1925 in: Festschrift /Sonderband "Coblenz" Anläßlich der "Rheinischen Tausendjahrfeier" Feld & Vorstman GmbH. Bendorf am Rhein Fabrik für Apparate- und Dampfkesselbau " Die Firma "Feld & Vorstman" wurde im Jahre 1892 gegründet. Gründer der Firma war der aus Neuwied stammende Ernst Feld, geb. 1864. Nachdem er zunächst einige Jahre, mit nur wenigen Arbeitern, die Firma betrieben hatte, trat dann sein Schwager Adrian Geradus Vorstman in die Firma ein. Das Hauptarbeitgebiet war die Anfertigung von Kleingewerbekesseln, Behältern, Rohrleitungen und ähnlichen Blecharbeiten. Im Jahre 1896 hatte sich die kleine Firma soweit gefestigt, daß man an eine Vergrößerung denken konnte. Es bot sich die Gelegenheit zur Übernahme der von Johann Reuber im Jahre 1875 gegründeten Kesselschmiede in Bendorf. Die Firma Reuber ging dann nach dem Tode des J .Reuber in den Besitz von Heinrich Stettner über. Die Firma wurde unter dem Namen "J. Reuber Nachf., Inhaber H.Stettner", weitergeführt. Diese Kesselschmiede war eines der ersten Unternehmen, die den strengen Qualitätsanforderungen des damals neu gegründeten (1873) Dampfkessel- Überwachungsvereins (DÜV), des Vorgängers des heutigen TÜV, entsprachen. Mit der Übernahme von Reubers Kesselschmiede legte man den Grundstein für eine erfolgreiche Firmenentwicklung. Befaßte man sich bis zum Jahre 1896 vorwiegend mit der Anfertigung von technisch nicht so hochwertigen Ausrüstungen für Industie und Handwerk, so nahm man nun die Herstellung von Großwasserraum- Kesseln auf und ging bald auch dazu über, Apparate für die chemische Industrie herzustellen. Firmen-Logo im Briefkopf 1922 Für die weitere Entwicklung der Firma "Feld & Vorstman" war aber eines von größtem Vorteil. Ernst Feld hatte einen Bruder, Dr. Walter Feld. Dieser war Chemiker und Techniker in einer Person. Er hatte in Hönningen am Rhein eine Fabrik für chemische Produkte gegründet. Im Jahre 1900 griff die Firma eine Spezialität auf, in der sie später Bedeutung erlangen sollte. Die Seifenindustrie erzeugt bei Verarbeitung ihrer Rohmaterialien diverse Oele und Fette und als Nebenprodukt Abfall- Lauge die einen gewissen Gehalt an Glycerin besitzt, deren Gewinnung für die Existenz dieser Industrie von immer größerer Bedeutung wurde. Bis etwa zum Jahre 1900 waren es nur wenige, ganz große Seifenfabriken, die sich damit befaßten, das wertvolle Glycerin aus ihren anfallenden Abfall-Laugen zu gewinnen. Die dabei verwendeten Verfahren und Apparate waren noch wenig erprobt und nicht dazu angetan, sich im größeren Umfange bei der Seifenindustrie Eingang zu verschaffen. Die Firma "Feld & Vorstman" erkannte vorerst die Notwendigkeit, die Eindampfapparate zu verbessern und ging dann dazu über, sich auch der chemischen Verfahren anzunehmen, und nun erst wuchs das Interesse an der Glyceringewinnung, sodaß nicht nur größere, sondern auch kleinere Seifenfabriken dazu übergingen, ihre Abfall-Laugen im eigenen Betrieb zur Glycerinrückgewinnung zu verarbeiten. Anlage zur Herstellung von Glyzerin. System "F & H" Bis zum Jahre 1924 hatte die Firma "Feld & Vorstman" bereits über 260 Glycerin-Gewinnungs- Anlagen für das In- und Ausland geliefert. Anlagen, in denen Glycerin bis zu der feinsten chemischen Qualität erzeugt wird. Seit dem Jahre 1900 hat sich in Deutschland die Glycerinerzeugung stetig weiterentwickelt. So, daß sie neben den größeren europäischen Ländern in Bezug auf Qualität und Quantität auf dem Markt eine nicht zu unterschätzende Rolle spielt. Heute (Anm.1) existiert wohl kaum noch eine Seifenfabrik in Deutschland von größerer Bedeutung, die nicht ihre Abfall-Lauge nach modernsten Verfahren im eigenen Betrieb verarbeitet. Die Erzeugung von Glycerin wurde geradezu eine Überlebensnotwendigkeit für die Seifenindustrie und der Anteil, der der Firma "Feld & Vorstman" an diesem Aufschwung der Seifenindustrie nicht abgesprochen werden kann, liegt in der Erkenntnis, daß der Erbauer von Apparaten nur dann für die chemische Großindustrie von Bedeutung werden kann, wenn er bei der Konstruktion von eigenen, tüchtigen Betriebs- Chemikern beraten und auf dem Laufenden gehalten wird. Zu diesem Zweck hat die genannte Firma im Jahre 1906 ein eigenes Laboratorium, verbunden mit einer Versuchsanlage, errichtet. Sie kam dadurch in die Lage, die Verwertung der Seifensieder- Abfall- Laugen eingehend zu studieren, um die besten und wirtschaftlichsten Verfahren und Apparate herzustellen. Im- und Export von Glycerin vor dem ersten Weltkrieg Den Aufschwung der deutschen Glycerin- Industrie ersieht man aus der beigefügten Graphik. Zu den Schaulinien über die Entwicklung des deutschen Glycerin-Imports und -Exports von 1900 bis 1913 sei erläuternd bemerkt, daß die Einfuhr von Glycerin-Destillat, von einigen Unterbrechungen abgesehen, seit 1900 ständig abgenommen hat. Die Einfuhr an "destilliertem Glycerin" betrug: Im Jahre 1900 1801 to im Werte von 2.018.000.- Mark 1913 1107 to im Werte von 1.661.000.- Mark Die Exportzahlen an "destilliertem Glycerin" waren seit 1900 ohne Unterbrechung gestiegen, sie betrugen: Im Jahre 1900 - 1386 to im Wert von 1.594.000.- Mark 1913 - 3937 to im Wert von 5.603.000.- Mark Die wachsende Bedeutung des Glycerinmarktes ergibt sich daraus, wenn man die Export- und Importzahlen zusammenrechnet und die verschiedenen Jahre gegenüberstellt. Deutschland importierte und exportierte zusammengerechnet: Im Jahre 1900 - 9855 to im Wert von 9.279.000.- Mark 1913 -12755 to im Wert von 15.825.000.- Mark Lassen wir das Rekordjahr 1900 außer Betracht, so kann man sagen, daß Deutschlands Glycerinexport stetig gestiegen war und im Jahr 1913 dem Wert nach den Import überschritt, während er dem Gewicht nach die Einfuhrmenge nicht erreichte. Über die Glycerin-Herstellung vom Jahre 1914 bis 1919 gibt die Statistik keinen Aufschluß. Die Zahlenangaben über 1920 hinaus bis 1923 sind nicht geeignet, ein zuverlässiges Bild über den Verlauf der Aus- und Einfuhr zu geben, jedoch lassen sie größeren Export als Import erkennen. Der Glycerinverbrauch im Inland wird durch die Statistik nicht nachgewiesen. Glycerinrückgewinnungsanlagen nach dem System von "Feld & Vorstman" stehen heute (1925, Anm. 1) in: Europa, Asien, Afrika, Amerika und Indien. Einrohr-Flammkessel für die chemische Industrie. Zum Transport auf einem Schwer-Lastfuhrwerk der ehemaligen Sayner Hütte verladen. Auf dem Gebiet der Blechverarbeitung hat die Firma Feld & Vorstman alle technischen Neuerungen in ihrem Betrieb eingeführt, die zur Verbesserung ihrer Erzeugnisse dienen können. So werden alle Nietverbindungen auf das Sorgfältigste hergestellt. Eine ausgedehnte Preßluftanlage steht der Kesselschmiede zur Verfügung, um die Handarbeit auf das geringste Maß herabzudrücken und auch die schwersten und dickwandigsten Eisenteile in sachgemäßer Form zu verbinden. Bei Niederdruckgefäßen und ähnlichen Konstruktionen werden autogene und elektrische Schweißungen angewendet. Bau einer Kaltwind- Rohrleitung auf der Concordiahütte in Bendorf- Mülhofen im Jahre 1900 Mögen diese kurzen Ausführungen dem Leser einen Überblick geben von der Entwicklung der Firma aus ihren kleinsten Anfängen heraus bis zur heutigen (Anm.1) Bedeutung in der Mittelrheinischen Industrie. Wenn die Nachwehen des Krieges (Anm. 2) auch die Firma "Feld & Vorstman" noch vor manche schwere Aufgabe stellen werden, so hofft doch die Leitung derselben, gestützt auf die Arbeitsfreudigkeit der rheinischen Bevölkerung, auch dieser Schwierigkeiten Herr zu werden." Anm.1) dieser Bericht wurde 1925 geschrieben. Anm.2) gemeint ist hier der 1.Weltkrieg Der Neuanfang 1931 "Feld & Hahn" von Hans Hagen Bedingt durch die Weltwirtschaftskrise und den Tod von Ingenieur Adrian Geradus Vorstman (* um 1874 - †1927) geriet die Firma Ende der 20er Jahre in wirtschaftliche Schwierigkeiten Die Lehrlinge der Firma "Feld & Vorstman" im Jahre 1927 Josef Hahn, der 1906 eine Lehre als Kesselschmied bei der Firma "Feld & Vorstman" begann und danach ein Maschinenbau- studium absolvierte, wurde 1917, während des ersten Weltkrieges, technischer Betriebsleiter der Firma "Feld & Vorstmann". Nach dem Tod des Firmengründers und Teilhabers der Firma, Adrian Vorstman, wurde Ingenieur Josef Hahn neuer Teilhaber. Die Firma nannte sich jetzt "Feld und Hahn", Fabrik für Apparate- und Dampfkesselbau GmbH. Der Chemiker Dr. Hans Feld wurde als Nachfolger seines Vaters und des Firmengründers Dr. Ernst Feld (*1864 - †1954) Mitglied der Geschäftsführung. Apparate zur destillativen Entsäuerung und Desodorierung zur Herstellung von Magarinen, Speiseöl, Seifengewinnung etc Dr. Hans Feld entwickelte viele neue Verfahren für die chemische- und Seifen- Industrie und erhielt für viele Erfindungen auf diesem Gebiet Patente. Durch seine Forschungen und Entwicklungen verhalf er der Firma zu neuem Aufschwung Die von der Firma "Feld & Hahn" auf dieser Basis entwickelten großtechnischen Anlagen gingen zuerst in die Niederlande, nach Dänemark, Italien, Spanien und insbesondere nach Rußland. Apparate zur destillativen Entsäuerung und Desodorierung zur Herstellung von Magarinen, Speiseöl, Seifengewinnung etc Auf einem speziellen Gebiet waren aber die Forschungen von Dr. Hans Feld sehr wirkungsvoll. Es galt die industrielle Nutzung der Kohle- Hydrierung zu vervollkommnen. Die von der Firma "Feld & Hahn" entwickelten Verfahrenstechniken und Anlagen galten alsbald führend auf der Welt. Ende der dreißiger Jahre und während des zweiten Weltkrieges baute man mit der kompletten Belegschaft Anlagen zur Gewinnung von Benzin aus Kohle. Die Bedeutung der Firma "Feld & Hahn" für die deutsche Kriegswirtschaft war so groß, daß von einer durchschnittlichen Belegschaft von ca. 90 -120 Ingenieuren und Technikern bzw. Handwerkern nur 1 Mann den Gestellungsbefehl zur Front bekam, aber nur, weil er angeblich mit den Sozialdemokraten sympatisierte und auch mal zu widersprechen wagte (Quelle: Joseph Roth) und alle anderen als "unabkömmlich" reklamiert wurden. Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges, so um die Wende 1945/46, kam die Produktion kurzfristig zum Erliegen. Das Werk in Bendorf war baulich unbeschädigt durch den Krieg gekommen, aber alle Auslands- Devisenkonten waren gesperrt und beschlagnahmt. Rohstoffe und Ersatzteile waren wenn, dann nur in beschränktem Maße zu beschaffen. Es kam noch eines hinzu: Die Allierten hatten durch ihre Maßnahmen Deutschland von den Exportmärkten abgeschottet und wollten sowieso einen Kartoffelacker daraus machen Es war eine schlimme Zeit. Durch Kriegseinwirkungen waren fast alle Wohnungen und Fabriken zerstört. Neben der Nahrungsmittelbeschaffung mußte auch der Wiederaufbau der zerstörten Gebäude und Werksanlagen in Angriff genommen werden. Die Firma "Feld & Hahn" erledigte Reparaturarbeiten in den umliegenden Fabriken um über die Runden zu kommen. Mit den primitivsten Mitteln versuchte man die Maschinen und Anlagen, die ja doch das Überleben vieler Menschen sicherten, ans Laufen zu bringen. Man kann es sich heute fast nicht mehr vorstellen, auf welch abenteuerliche Art und Weise auch nur die primitivsten Arbeitsmittel, wie z.B. eine Handvoll Nieten oder Schrauben oder auch nur einfach Schweißgas für anstehende Reparaturen zu beschaffen waren. In dieser schweren Zeit verstarb im Jahre 1947 plötzlich und unerwartet Dr. Hans Feld (*1886 - †1947). Die Lehrlinge der Firma "Feld & Hahn" in den ersten Jahren nach dem 2.Weltkrieg, mit ihren Ausbildern Die Währungsreform im Juni 1948 bedeutete auch für die Firma "Feld & Hahn" einen radikalen Einschnitt. Wenn auch durch die Devisenbewirtschaftung seitens des Staates und die weggebrochenen Auslandsmärkte tiefe Einschnitte für die Firma zu spüren waren, war nun aber im Inlandsgeschäft, durch den allgemeinen Aufbau in der westdeutschen Industrie, Hoffnung und Besserung in Sicht. Die Kesselschmiede war nun voll ausgelastet und die Beschäftigten brauchten sich auch keine Sorgen um ihren Arbeitsplatz zu machen. Hatte die Firma nach dem Krieg die baulichen Anlagen relativ unbeschadet weiterbenutzen können, so kamen jetzt auch auf einmal vergrabene größere Materialvorräte und ein Auto zu Tage. Sei es wie es ist. Die Firma hatte den Krieg überstanden und es ging weiter. Desodorier-Kolonne für Speisefet; Werkstoff Edelstahl Wie schon in der Zeit nach dem ersten Weltkrieg besann man sich auf das Wesentliche, nämlich den Apparate- und Anlagenbau für die Fett- und Waschmittelindustrie. Auch konnte man hier auf grundlegende Vorarbeiten und Patente aus der Zeit vor dem zweiten Weltkrieg zurückgreifen. Diese Spezialisierung brachte "Feld & Hahn" wieder sehr schnell an die technische Spitze der auf diesem Gebiet arbeitenden Firmen. Röhrenbündel für Einbau in Wärmetauscher Man belieferte fast alle Chemie-Konzern-Werke wie z.B. "Bayer, Hoechst, BASF, Dynamit Nobel, VEBA" mit Behältern, Rührwerksgefäßen, Kolonnen, Autoklaven und Wärmeaustauschern. In fast jeder Raffinerie stehen Wärmeaustauscher von "Feld & Hahn".
Da der damalige Inhaber Josef Hahn kinderlos blieb und er den Bestand der Firma gesichert sehen wollte, erfolgte im Jahre 1963 ein Zusammenschluß mit der Kölner "Klöckner- Humboldt- Deutz" AG. ("KHD"), die 51% des Stammkapitals übernahm. Im Jahr der "großen Ölkrise", 1969, nach dem Auscheiden von Josef Hahn aus der Geschäftsführung (*1893 - †1972), übernahm "KHD". die restlichen Geschäftanteile. "Feld & Hahn" wurde somit eine 100prozentige Tochtergesellschaft von "Klöckner- Humboldt- Deutz." Unter dem Namen "SHF- Prozestechnik" schlossen sich die drei "KHD"-Unternehmen "Schmitt- Bretten", "Humboldt Wedag" und "Feld & Hahn" zu einem Leistungsverbund zusammen. Die neue Firma "SHF-Prozestechnik" sah sich vor allem für die Chemie- und Nahrungsmitteltechnik als kompetenten Partner. Seit dem Zusammenschluss mit "Klöckner- Humboldt- Deutz" nahm der Export im Spezial- Anlagengeschäft einen großen Aufschwung, da man sich der eingespielten und erfahrenen Auslandsorganisation von "KHD" bedienen konnte. Aber auch der allgemeine Apparatebau für die chemische Industrie gewann in diesen Jahren eine immer größere Bedeutung, da sich die Firma "Feld & Hahn im steigendem Maße als Lieferant für die Großindustrie bewährt hatte Anlage zur Verarbeitung von Schlachtabfällen Nach der W i e d e r v e r e i n i g u n g Deutschlands übernahm die Firma "Feld & Hahn" Fachkräfte des M a g d e b u r g e r Maschinenbauers "SKET", der seinerseits der größte Anlagenbauer in der ehemaligen DDR war. Am 2.April 1992 wurde in Magdeburg, wie auch in Bendorf, ein zweites Konstruktionsbüro der Firma "Feld & Hahn" errichtet. Mit der Übernahme der SKET - Mitarbeiter war "Feld & Hahn" in der Lage, komplette Fabriken der Rohölgewinnung und deren Raffination zu errichten. Schwerpunkte von "Feld & Hahn" wurden: Rohöhlgewinnung aus Ölsaat und Ölfrüchten Anlagen für die Gewinnung und Veredelung von Speiseöl und Fetten mit 35 eigenen Verfahren und Patenten Anlagen zur Glycerin- und Fettsäuregewinnung. Insbesondere bei der Modernisierung der chemischen Industrie in Südostasien und beim Aufbau einer leistungsfähigen Öl- und Fettindustrie in der Volksrepublick China hat "Feld & Hahn" einen wesentlichen Beitrag geleistet. Die Lieferung von 6 kompletten Anlagen seit 1979 bis 1987 nach China, spricht für sich. Dr. Klaus von Dohnanyi besucht 1979 die Fa. "F &H" Wegen der Bedeutung von "Feld & Hahn" im Außenhandel der Bundesrepublik Deutschland besuchte im Jahre 1979 der damalige Bundesminister und spätere Bürgermeister von Hamburg Dr. Klaus von Dohnanyi die Firma "Feld & Hahn" Eines der interessantesten Projekte war damals die Entwicklung und der Bau der weltweit ersten industriellen Umesterungs- Anlage zur Erzeugung von Rapsölmetylester (RME) = Biodiesel. "Feld & Hahn" war an der Entwicklung eines patentierten RME-Herstellungsverfahrens bis zur industriellen Reife beteiligt. Durch die langjährige Erfahrung bei der Herstellung von Chemieproduktions-Anlagen, die auf der Basis von Ölen und Fetten arbeiteten, war "Feld & Hahn" in der Lage, die weltweit erste industrielle Umesterungsanlage zur Erzeugung von Rapsölmetylester (RME) als Dieselersatz zu errichten. In dieser Anlage wird Raps zum neuen und umweltfreundlichen Kraftstoff (Biodiesel). Die pflanzlichen Überreste werden zu Rapskuchenschrot (das ist ein hochwertiges Eiweißfutter für Rinder und Schweine) und zu Glycerin als Rohstoff für die chemische Industrie verarbeitet. Umweltfreundlich sauber und zukunftsträchtig ist die erste von "Feld & Hahn" gebaute "Agrar - Raffinerie" Dem erzeugten Treibstoff RME kommt zukünftig warscheinlich eine große Bedeutung zu, da der Rohstoff nachwächst. Das in "Feld & Hahn" - Anlagen produzierte RME entspricht den höchsten internationalen Normen und wird von führenden Motorenherstellern für den Betrieb von Dieselmotoren empfohlen. Biodiesel ist ein vollwertiger Ersatz für herkömmliche Dieselkraftstoffe. Er ist praktisch frei von Schwefel. Weil dadurch auch keine Schwefeldioxyd- Emmissionen entstehen, trägt Biodiesel auch nicht zum sogenannten "saueren Regen" bei, der unseren Wäldern so sehr zusetzt. Weitere Aspekte für die Umweltverträglichkeit von Biodiesel sind die biologische Abbaubarkeit, die Einsatzmöglichkeit im umweltsensiblen Bereich und der als umweltschonend zu bezeichnende Produktionsprozeß. Nach anfänglichen Erfolgen in der Zusammenarbeit mit Klöckner-Humboldt-Deutz erfolgte 1987 eine erste, den Bestand der Firma bedrohende Krise. Nach geschäftlichen Mißerfolgen des Konzerns "Klöckner- Humboldt- Deutz" auf ganz anderen Sektoren, wurde 1987 bei "KHD" eine Sanierungsphase eingeläutet. Als kleiner Teilbereich des Konzerns sollte dabei die Schließung der Abteilung "Apparatebau", zu der auch "Feld & Hahn" gehörte - "zugunsten des Kerngeschäftes" - wie es damals hieß erfolgen. Schematische Darstellung des Raffinationsprozesses bei der Hydrierung von Biodiesel Wohl gemerkt! - Die Schließung und nicht eventuell der Verkauf der " f l o r i e r e n d e n " 100prozentigen Tochter "Feld & Hahn" wurde als das Allheilmittel für den Konzern betrachtet. Hier ging es nicht um die Menschen, die sich seit Bestehen der Firma um deren Wohlergehen gesorgt hatten und deren Mittelpunkt des Lebens der Betrieb war. Nein! - es ging ganz einfach um die bestehenden Rechte und Patente, die mit der Firma "Feld & Hahn" verbunden waren. Auf die Firma konnte man leicht, aber auf das "Know-how" wollte man nicht verzichten. Auf Initiative von Fritz Franzen, damals 1.Bevollmächtigter der IG Metall Koblenz und der gemeinsamen Anstrengungen von Betriebsrat und Geschäftsleitung der Firma "Feld & Hahn" konnte, durch Bemühungen des ehemaligen Bundesministers H.J. Wischnewski ("Ben-Wisch"), in seiner Funktion als Mitglied des Aufsichtsrates von "Klöckner-Homboldt-Deutz", zunächst die Schließung von "Feld & Hahn" verhindert werden. Es ging mehr als ein Aufatmen durch die Belegschaft des Werkes, als Hans Hagen (19 Jahre Betriebsrats-Vorsitzender bei "Feld & Hahn" und Mitglied des Konzernbetriebsrates der "KHD") auf einer Betriebs-Versammlung , drei Tage vor Weihnachten, den Belegschaftsmitgliedern mitteilen konnte, daß die Schließung der Firma und damit die Gefährdung der Arbeitsplätze abgewendet war. Auch der damalige Geschäftsführer von "Feld & Hahn", Dr. Horst Enschelmaier gab sich recht zuversichtlich. Er sprach es ebenfalls aus: "Wir werden es mit eigener Kaft schaffen" Nachdem die Firma wieder in ruhiges Fahrwasser gebracht war und man mit einigem Optimismus in die Zukunft blicken konnte, kam mit dem Zusammenbruch der "DDR" und der Wiedervereinigung Deutschlands die nächste Bewährungsprobe für "Feld & Hahn". Nach der Wiedervereinigung folgten hektische Jahre der Neuorientierung in der deutschen Wirtschaft. Auch "Feld & Hahn" wurde davon betroffen. Nachdem man noch1992 in Magdeburg neben Bendorf ein zweites Konstruktionsbüro der Firma "Feld & Hahn" errichtet hatte, traf eine im Jahre 1992 einsetzende weltweite Krise der chemischen Industrie den deutschen Anlagenbau um so härter. Es erfolgte zuerst die Reduzierung der Belegschaft im Werk Bendorf. Im Sommer 1993 kam dann der Beschluß des Vorstandes von "Klöckner- Humboldt- Deutz" über die endgültige Schließung der Abteilung "Apparatebau" und damit auch zur Schließung von "Feld & Hahn" trotz des erbitterten Widerstandes aller gesellschaftlichen Gruppen in Bendorf. Hochdruckspaltturm für Fettspaltanlage, 25 m länge Zunächst wurde nur die Fertigung im Apparatebau und Anlagenbau eingestellt. Das Konstruktionsbüro blieb weiter bestehen. Die einlaufenden Aufträge im Anlagenbau gingen auch weiter hier ein und wurden von ca. 35 Ingenieuren und Technikern weiter projektiert. Durch gemeinsame Bemühungen des Betriebsrates und der Gewerkschaft IG Metall, vertreten durch den 1.Bevollmächtigten Reiner Göbel und der Geschäftsleitung von "Feld & Hahn" konnte mit der Konzernleitung von "KHD" eine Vereinbarung getroffen werden, die den Standtorterhalt, die Schaffung von Ersatzarbeitsplätzen und eine Vorruhestandsregelung für ältere Arbeitnehmer vorsah. Durch Kooperationsverträge mit einem Bendorfer und einem Herschbacher Unternehmen konnten fast alle Apparatebauer einen neuen Arbeitsplatz finden und die Apparate für die Firma "Feld & Hahn" weiter bauen. Während 1995 noch in der Presse zu lesen war, daß sich die Firma im Aufwind befinde, erfolgte 1998 durch die Schließung des Konstruktionsbüros das endgültige "Aus" der Firma "Feld & Hahn". In ihrer 123jährigen Geschichte hat die Firma "Feld & Hahn" mit mehr als 500 Anlagen, die in über 40 Länder geliefert wurden, den Namen Bendorf in der ganzen Welt bekannt gemacht. Die Kesselschmiede Johann Reuber und die Gründung des Dampfkessel- Überwachungsvereins (DÜV), dem Vorgänger des heutigen TÜV. von Hans Hagen Eine Anzeige aus der "Bendorfer Zeitung" aus dem Jahre 1910 Der Antrieb von Maschinen erfolgte in der Zeit, als Johan Reuber seine Kesselschmiede in Bendorf gründete, durch gewaltige Dampfturbinen.Man sprach deshalb auch von Dampfmaschinen. Der Grad der Industrialisierung eines Landes wurde deshalb in der Anzahl der vorhandenen Dampfmaschinen gemessen. Wohl keine andere Erfindung hat das industrielle Zeitalter mehr geprägt als die der Dampfmaschine. Die Erfindung der Dampfmaschine und Ihre Anwendungen und Bedeutung ist aus heutiger Sicht nur mit der Erfindung des Mikro-Chips zu vergleichen. Dampfkesselexplosion Um die Sicherheit der Dampfmaschinen war es aber im 19. Jahrhundert schlecht bestellt. Der Dampf wurde in den entsprechenden Dampfkesseln erzeugt. Schwere Explosionen, Unfälle oft mit Todesfolge, waren an der Tagesordnung. Allein zwischen 1800 und 1875 kamen in England 5000 Menschen bei Dampfkessel-Explosionen ums Leben. Titelseite eines DÜF- Prüfbuches von 1891 "Was nutzen die neuen Maschinen, wenn die Kesselbetreiber ihre V e r p f l i c h t u n g e n vernachlässigen", schimpfte 1873 Emanuel Hoffmann, der als erster Prüfingenieur beim Koblenzer Dampfkessel- Überwachungs- Verein tätig war. Es war das Jahr 1873, als die Dampfkesselbetreiber, auf Drängen des preußischen Staates, den Dampfkessel- Überwachungs- Verein ( DÜV ), als Selbstverwaltungsorgan der Wirtschaft mit dem Unternehmenszweck "Mensch, Umwelt und Sachgüter vor den nachteiligen Auswirkungen der Technik zu bewahren", auch in Koblenz gründeten. Der Dampfkesselüberwachungsverein, der im staatlichen Auftrag handelte, sorgte dafür, daß Dampfkessel und Druckbehälter nur noch in Werkstätten hergestellt wurden, die über entsprechende Fachkräfte ( Kesselschmiede ) verfügten. Nach Fertigstellung eines Dampfkessels, in der damaligen Zeit wurden sie alle genietet, wurde die Festigkeit durch eine Druckprobe, die vom Dampfkesselüberwachungsverein durchgeführt wurde, in Form eines Zertifikats ( Kesselbuch ) bescheinigt. Titelblatt eines TÜV- Prüfbuches für eine der letzten auf F&H gebauten Kesselanlagen Die Aufgabe des D a m p f k e s s e l ü b e r w a c h u n g s - vereins war es auch dafür zu sorgen, daß nur die vorgeschriebenen hochwertigen Materialien ( z. B. Kesselblech ), verwendet wurden. Die Kesselschmiede Johann Reuber in Bendorf am Rhein war eine der ersten Kesselschmieden im Rheinland, welche die strengen Qualitätsanforderungen des Dampfkesselüberwachungsvereins erfüllte. Walter Feld - einer der bedeutendsten Chemiker Deutschlands von Hans Hagen Im Jahre 1896 wurde die Kesselschmiede Johann Reuber, dem Vorläufer von "J. Reuber Nachf., Inhaber H.Stettner" von dem Chemiker Dr. Ernst Feld und seinem Schwager Ingenieur Adrian Vorstman ( Fa. Feld & Vorstman) in Bendorf übernommen. Sie setzten ihren Schwerpunkt weg von der Kesselschmiede, hin zum Apparate- und Anlagenbau für die chemische Industrie. Zusammen mit seinem Bruder Dr. Walter Feld, der Inhaber einer chemischen Fabrik in Hönningen war, entwickelte Dr. Ernst Feld unzählige Verfahren, die im Chemiebereich zur Anwendung kamen. Man arbeitete eng zusammen mit der Fachhochschule (FH) Aachen und erzielte erhebliche Fortschritte, besonders in Verfahren zur Gasreinigung. Es war der Pioniergeist des chemischen Forschers, der Dr. Walter Feld trieb, ohne dass er darum den klaren Blick für wirtschaftliche Notwendigkeiten verlor. Eben weil es der wissenschaftliche Geist war, der ihn in erster Linie bestimmte, kann man in Dr. Walter Feld mit Recht eine der markantesten Erscheinungen der chemischen Technik, eine für diese Zeit kennzeichnende Persönlichkeit sehen. So beherrschte er als Chemiker auch die physikalischen Methoden vollständig. Er entwickelte auch die Apparate für seine Versuche selbst, die in Bendorf bei der Firma seines Bruders und Schwagers "Feld & Vorstman" hergestellt wurden. Der Name Feld ist vor allem dadurch in der chemischen Fachwelt bekannt geworden , weil er es war, der das alte Problem der Gasfachleute gelöst hat, den Schwefelgehalt des Gases dazu zu verwenden, das darin befindliche Ammoniakgas direkt in Ammoniumfulfat zu verwandeln. Dieses war für die im gewaltigen Aufschwung befindliche Kunstdüngererzeugung von großer Bedeutung. Sein Bruder Dr. Ernst Feld entwickelte und baute Anlagen in Bendorf zur Herstellung von Glycerin aus Seifenunterlaugen, einem Abfallprodukt bei der Herstellung von Seifen. Feld & Vorstman entwickelte Eindampf-Apparate, die es gestatteten, die Abwässer aufzuarbeiten und dabei wertvolles Glycerin zu erhalten. Glycerin ist ein wichtiger Rohstoff für die Kosmetikindustrie. Dr. Hans Feld Bis zu seinem Tode im Jahr 1947 setzte Dr. Hans Feld, der Sohn des Firmengründers Ernst Feld, die erfolgreiche Arbeit von Dr. Ernst Feld fort und entwickelte selbst neue Methoden und Patente. Der bedeutendste unter den Brüdern der Gründergeneration war zweifellos Dr. Walter Feld, der plötzlich am 15.03.1914, inmitten seines Schaffens im Alter von 52 Jahren starb. In einem Nachruf für den Verein deutscher Chemiker heißt es: "Bei der Erinnerung an Walter Feld, einer der bedeutendsten Chemiker Deutschlands, darf die Persönlichkeit Walter Feld's nicht vergessen werden. Seine Begeisterung galt nicht nur der Chemie, sondern auch der Kunst und Literatur". Zu seinen Ehren wurde in dem Musikdrama "Die Odyssee" eine Huldigung dargebracht: "Dem Erfinder, dem Überwinder der rohen Gewalt". Die schwierige Aufgabe des Lebens, Energie der Handlung, mit Freundlichkeit des Wesens zu vereinigen, war mit dem Namen Walter Feld verbunden. Der Kesselschmied - ein Urbild des Handarbeiters Von Hans Hagen Der Schmied In der Frühzeit unserer Geschichte - bis in das Mittelalter hinein - waren die Schmiede mit ihren Gesellen, in der Vorstellungswelt unserer Vorfahren wahre Künstler, Zauberer und Hexenmeister zugleich. Die Beherrschung des Werkstoffes Eisen sowie des Feuers führte in der Phantasie ihrer Mitmenschen zu Vorstellungen von zum Teil mythischer Qualität. Der Schmied - wie auch der Kesselschmied - gelten heute durch ihre manuelle Geschicklichkeit und vor allem durch männliche Körperkraft, als das Urbild des Handarbeiters. Das Bild des Kesselschmieds zeigt ihn bei seiner schweißtreibenden Arbeit, die erhebliche körperliche Kraft und ausdauernde Anstrengungen erfordert. Die Arbeitsabläufe müssen bei Nietarbeiten besonders zügig erfolgen. Erschwerend kommt dazu, daß der Kesselschmied seine Arbeit oft in gebückter Haltung in engen Kesseln und Behältern verrichten muß. Heinrich Lersch; Ausschnitt aus einem Familienfoto Der Dichter, Kesselschmied und Vagabund Heinrich Lersch, dessen Büste im Aufenthaltsraum der Firma "Feld & Hahn" stand, berichtete: "Als er am 12.September 1889 im heutigen Mönchen- Gladbach geboren wurde, trug sein Vater - ein Kesselschmied - den Neugeborenen in die Gladbacher Schmiede. Er legte das Kind auf den Amboss. Als der Kleine das Dröhnen des Hammers stumm über sich ergehen läßt, steht für den Vater fest, auch sein Sohn Heinrich wird Kesselschmied. Bei seinem Tode trugen Männer während der Nacht seinen Sarg in eine Schmiede. Mit ihren schweren Hämmern schlugen sie im Schein der Kessellampen ein letztes Mal auf den Amboß ein und nahmen damit Abschied von ihrem Meister Heinrich Lersch, gestorben am 18.Juni 1936 in Remagen. Anm.: Gertraud Vieth, in: Rheinzeitung-Koblenz, 18.06.1986 : Arbeit schützt vor Armut nicht. Von Kindheit an lernt Lersch, daß das Leben nichts anderes als Arbeit ist und daß noch soviel Arbeit nicht vor Armut schützt. Er war entsetzt über die Arbeitsbedingungen in der Industrie. Schon sehr früh beginnt Heinrich Lersch, seine Not sich von der Seele zu schreiben, um so den harten Alltag zu bestehen. Er wird bald einer der b e k a n n t e s t e n "Arbeiterdichter", die sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts im " W e r k b u n d " z u s a m m e n g e s c h l o s s e n haben. Durch seine Gedichte glaubte er ein Sprachrohr für die unterdrückte Arbeiterschaft zu sein. Der gelernte Handwerker wird von den Arbeitern nicht als einer von ihnen anerkannt. Gerade sein Dichten trennt ihn noch mehr von ihnen. Neben dem Gefühl immer ein Außenseiter zu sein, schmerzt ihn, daß die Arbeiter untereinander uneins sind. Er träumt davon, daß alle Proletarier sich brüderlich vereinen und so die politischen Gegensätze überwunden werden. Gerade auf dem sozialem Sektor waren es die Kesselschmiede die ihrer Zeit voraus waren. Neben den Buchdruckern, den Zigarrenmachern waren sie es, die sich als erste g e w e r k s c h a f t l i c h organisierten. Die Kesselschmiede der Firma "Feld & Vorstmann" (Hahn) waren komplett Mitglied im "Deutschen Metallarbeiterverband", dem Vorläufer der heutigen Industriegewerkschaft Metall (IGM) und nicht, wie in dieser Zeit üblich, gespalten in verschiedene Richtungsgewerkschaften. Als 1920 die Arbeitnehmervertreter mit dem Betriebsrätegesetz zum ersten Mal eine gesetzliche Grundlage bekamen, wurde bei der Firma "Feld & Forstman" in Bendorf, sofort ein Betriebsrat gewählt. Dieser setzte sich auch vehement für die Rechte der Arbeitnehmerschaft des Betriebes ein. Die Solidaridät mit den Arbeitnehmern aller Bendorfer Betriebe war ein probates Mittel, die verkrusteten politischen- und sozialen Strukturen der vergangenen "Kaiser - Zeit" aufzubrechen und die Rechte der Arbeiter durchzusetzen. Neben der Teilnahme an anderen Streiks heißt es dann in einer amtlichen Mitteilung des Oberpräsidenten der Rheinprovinz aus dem Jahre 1920, daß auch die Belegschaft von "Feld & Forstman" wegen Lohnnachzahlungen in den Ausstand getreten ist. Auch in jüngster Zeit konnte man ähnliches vermelden. Es war das Jahr 1987. Die Firma "Klöckner- Humbold- Deutz" ("KHD") hatte inzwischen die Firma "Feld & Hahn" aufgekauft und der Fortbestand der Firma "Feld & Hahn" stand auf des Messers Schneide. Der ehemalige Bundesminister Hans Jürgen Wischnewski war Mitglied des Aufsichtsrates von "Klöckner- Humbold- Deutz" ("KHD"). An ihn schrieb der 1. Bevollmächtigte Fritz Franzen von der Industriegewerkschaft Metall, Koblenz: "Von "Feld & Hahn" gehen seit Beginn der 1980er Jahre alle kämpferischen Initiativen beim Ausrichten der Tarifauseinandersetzungen im Rheinland-Pfalz aus. Dieser Dreh und Angelpunkt begründet sich aus dem fast 100%igen Organisationsgrad im Apparatebau bei "Feld & Hahn"." Im Nachfolgenden sei die Abschrift eines Berichtes des Herrn Oberpräsidenten der Rheinprovinz Dr.Fuchs an das Hauptquartier der amerikanischen (Besatzungs-) Streitkräfte in Deutschland - Büro für Zivilangelegenheiten, mitgeteilt. "Coblenz, den 16. März 1920" "---- Dem beiliegenden Halbmonatsbericht für die Hohe Rheinlandkommission habe ich nur wenig wesentliches hinzuzufügen. In politischer Hinsicht darf ich auf die mündlichen Unterredungen Bezug nehmen. Speziell aus Coblenz sind Ruhestörungen anläßlich der jüngsten politischen Vorgänge nicht bekannt geworden. Über Einzelstreiks im amerikanisch besetztem Gebiet liegen folgende Nachrichten vor. Der Landrat in Mayen meldet, dass die Industriearbeiter von Andernach und Umgebung wegen Lohndifferenzen in den Streik getreten sind. Näherer Bericht ist in Aussicht gestellt. Der Oberbürgermeister in Coblenz meldet, dass ein Streik der Transportarbeiter und Fuhrleute am 5.März Nachmittags 1,00 Uhr ausgebrochen sei, welcher mit der Forderung einer Tariferhöhung begründet worden sei. Unruhen sind hierbei nicht entstanden. Dieser Streik ist inzwischen durch Bewilligung von Lohnzulagen beendet. Der Landrat von Koblenz meldet, dass am 5.März in Bendorf die Belegschaften der "Rheinischen Chamotte & Dinaswerke" mit 80 - 90 Mann, der Firma "Neizert Co." mit 42 Mann, der Firma "Dr. Otto & Co." mit 150 Mann und der Firma "Feld & Vorstman" mit 70 Mann wegen Lohnforderungen in Ausstand getreten seien. Es handelt sich dabei um Forderungen auf Lohnnachzahlungen für den Streiktag am 16.Februar. Die Arbeit ist am 8.ds. Mts. wieder aufgenommen worden. Die Lebensmittelversorgung ist auch in der amerikanischen Zone nach wie vor ungünstig. Dies wird besonders von dem Oberbürgermeister und dem Landrat in Coblenz betont. In der Stadt Coblenz seit geraumer Zeit kein Schlachtvieh........................"
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