Rheinisches Kunstguss-Museum im Schloss Sayn
Sehenswürdigkeiten
Rheinisches Kunstguss-Museum im Schloss Sayn Wegeplan zu touristische ZieleEin Wegeplan zum Auffinden der touristischen Ziele: Schloß Sayn Eingang: Abteistrasse 1 D56170 Bendorf-Sayn Tel. 0 26 22 / 90 29 13 Fax.0 26 22 / 90 29 17 E-Mail: museum@bendorf.de Das Programm : Die Erzeugnisse der Bendorfer Eisenhütten werden im Stadtmuseum in einer bedeutenden Eisen- Kunstguss- Sammlung präsentiert. Zu sehen sind herausragende Arbeiten aus dem Gebiet des Eisenkunstgusses der Sayner-Hütte und später auch der Concordiahütte. Unter anderem sind zu sehen z.B.: ein filigranes Diadem, Weinlaub- Hals- und Armschmuck, Neujahrsplaketten mit Ansichten rheinischer und westfälischer Kunstdenkmäler, durchbrochene Teller, Ziertische, Sitzmöbel, eine Wendeltreppe, oder als kleinstes Gussobjekt, die sogenannte "Sayner Mücke"; eine Abbildung einer Stubenfliege in Orginalgrösse, aber auch Herde und Öfen, Kochgeschirr und technisches Gerät (Geschützrohre). Viele dieser Kunstwerke aus Eisenkunstguss, die von der Sayner Hütte hergestellt wurden, sind 1822/24 schon auf der Berliner Akademieausstellung bewundert worden und wurden dann bei der Weltausstellung 1855 prämiert. Begleitend zu der bedeutenden Sammlung von Eisenkunstguss- Gegenständen widmet sich das Stadtmuseum der Thematik "Arbeit und Leben zur Zeit der Frühindustrialisierung". Hier wird mit besonderer Akrebie den Lebensumständen der Bevölkerung in einem Industriell geprägtem Raum um die Mitte des 19. bis zu Beginn des 20.Jahrhunderts nachgeforscht und didaktisch aufbereitet. Das Besondere und die Eigenart dieses Museums liegt wohl darin begründet, dass es nur wenige Museen mit den Themen Sozial- und Industriegeschichte in Deutschland gibt. Und darin liegt auch der besondere Anreiz für die Besucher. Neben seiner Dauerausstellung (Eisenabbau- Verhüttung-Guß, Sayner Hütte, Concordiahütte, Arbeit und Leben) finden im Stadtmuseum auch Sonderveranstaltungen statt: Kunstausstellungen, sozial- und industriegeschichtliche Ausstellungen, Konzerte, Autorenlesungen, "Fach-shops" für Kinder und Erwachsene Das neuerbaute Schloss Sayn, hier ist ab 2000 das Stadtmuseum und Touristikinformation untergebracht Archiv und Bibliothek: Den Schwerpunkt der archivalischen Sammlung bildet die Ortsgeschichte. Das Archiv sammelt und bewahrt das Grundlagenmaterial zur Erforschung des Bergbau- und Eisenhüttenwesens in Bendorf, Sayn und Mülhofen. Die Präsenzbibliothek bietet zahlreiche Bücher aus den Bereichen der Kunst- und Kulturgeschichte, der Eisenhüttenkunde, des Bergbaus, der Sozialgeschichte, der Geschichte der Gewerkschaften sowie Kataloge zu Ausstellungen. Ferner stehen zahlreiche Fachzeitschriften zur Verfügung. Erfrischungen können im Multifunktionsraum eingenommen werden. Buchverkauf: Im Foyer sind ausstellungsbegleitende Broschüren, Bücher, Postkarten und Plakate erhältlich. Kinderveranstaltung im Multifunktionsraum Bergbau und Eisenverhüttung Der Bergbau und die Eisenverhüttung haben Bendorf und sein Umland geprägt und die industrielle Entwicklung dort mitbestimmt. Bedeutende Zeugen der Hüttenindustrie und des Bergbaus sind die Sayner Hütte (1824), die Concordiahütte (1838) und die Röstöfen der Grube Vierwinden. Zum Bergbau in Bendorf Förderturm, Maschinenhaus, Hauptstolleneingang um 1912 Der Abbau des Eisenerzes in Bendorf ist bis in die römische Zeit auf dem Gebiet der heutigen Vierwindenhöhe belegt. Zur intensiveren Ausbeutung der reichen Eisenerzvorkommen dort kam es erst im 18. Jahrhundert. 1724 wurde die Grube Vierwinden erschlossen. Die Übernahme der Grube durch den Unternehmer Wilhelm Remy, 1728, trieb die Förderung der Erze und ihre Verhüttung stark voran.Einen zweiten Aufschwung nahm die Grube Vierwinden nach 1865 unter dem Essener Industriellen Friedrich Alfred Krupp.
Sayner Hütte Westgiebel der Gießhalle der Sayner Hütte Ein Industriedenkmal von Europaweiter Bedeutung ist die Sayner-Hütte im Bendorfer Stadtteil Sayn. 1824 errichtete Carl Ludwig Althans diesen Industriebau mit einer sensationellen Tragkonstruktion. Erstmals wurden sämtliche Konstruktionsteile aus Eisen gegossen und zusammengesetzt. Bekannt wurde die Sayner Hütte vor allem durch die Herstellung von Eisenkunstguss. Neben Maschinenbauteilen, Geschützrohren und Munition produzierte sie Schmuck und Ziergegenstände. Nach dem Verkauf 1865, an Alfred Krupp aus Essen, wurde die Hütte noch erweitert , musste aber 1927 den Betrieb einstellen. Der Zweite Weltkrieg beschädigte die Sayner Gießhalle derart stark, dass über ihren Abriss diskutiert wurde. Dank einer Privatinitiative kann dieses beeindruckende technische Baudenkmal wieder besichtigt werden. Concordiahütte Die Concordiahütte; Luftbild um 1927 Die größte Hütte war die Concordiahütte im Bendorfer Stadtteil Mülhofen. 1838 gründeten die Gebrüder Lossen ein modernes mit Wasserkraft betriebenes Hochofenwerk. In den kommenden Jahrzehnten passte sich das Werk mit Erweiterungsbauten den technischen Neuerungen an: 1853 ersetzte man die Wasserkraft schrittweise durch Dampfkraft und in den 1860er Jahren stellte man die Hochöfen von Holzkohle auf Koks um. Diese Umstellung ermöglichte auch die Erweiterung der Produktpalette. Bis 1863 konzentrierte man sich auf die Herstellung von Eisenblech. Nun produzierte man Öfen, Herde, Töpfe und Bauteile. Trotz moderner Anlagen hatte die Hütte Mühe konkurenzfähig zu bleiben. Finanzielle Probleme erschwerten neue Unternehmungen und so gründete man 1900 die Aktiengesellschaft »Concordiahütte vorm. Gebr. Lossen AG«. Im Laufe des 20. Jahrhunderts wechselte die Hütte mehrmals den Eigentümer. Zuletzt war sie seit 1974 im Besitz der Thyssengruppe. Produziert wurden Eisengussteile für die Autoindustrie. 1993 wurde die Concordiahütte geschlossen. Das Kirchen-Ensemble in Bendorf Eine Stadtbegehung rundet den Besuch von Bendorf ab. Besichtigen Sie auch die kathl.- und evgl. Kirche, das Wohnhaus der Fam. Remy, den Yzeurer Platz und schließlich die Röstöfen der Grube Vierwinden die letzten Zeugen des Bergbaus in Bendorf. Errichtet wurden sie in den Jahren von 1878 - 1883 unter Alfred Krupp. Über ein Schienennetz konnte der abgebaute im Jahre 1902 Spateisenstein von der Grube direkt zu den Röstöfen transportiert werden, in denen der Kohlenstoff durch Erhitzen aus dem Erz ausgetrieben wurde. Röstöfen nach der Restaurierung Die Röstöfen stehen seit dem 3. November l 983 unter Denkmalschutz. 1995 ernannte die Kreisverwaltung Koblenz die Röstöfen zum besonderen Denkmal des Kreises für das Jahr 1995. Familie Remy Familienbild der Familien Remy und Hoffmann; von Januarius Zick Zu den Pionieren der Frühindustrialisierung im 18. Jh. zählt die Familie Remy. 1725 kam Wilhelm Remy nach Bendorf, um dort im Bergbau- und Eisenhüttenwesen, das noch in den Anfängen steckte, tätig zu werden. Sein wirtschaftlicher Erfolg machte ihn in den kommenden Jahrzehnten zu einem führenden Unternehmer und zum wichtigsten Arbeitgeber am Ort; Stahl- und Gussmasseln wurden bis nach Rotterdam exportiert. Die Gründung des Handelshauses »Remy, Hoffmann & Co«, 1742, ließ das Unternehmen unter der Führung von Johannes Remy zu einem der bedeutendsten am Mittelrhein werden. Auch kulturell waren die Remys für Bendorf sehr wichtig. 1748 ließ Wilhelm Remy ein großes Wohnhaus in der Innenstadt bauen; es steht noch heute (Yzeurer Platz) und ist ein ausgezeichnetes Beispiel damaliger Bau- und Wohnkultur. Sein Neffe Johannes Remy finanzierte 1774 den Bau des Kirchenhauses der Reformierten Kirche, unmittelbar neben dem Haus der Remys. Heute dient dieses Gebäude der Evangelischen Kirche als Gemeindesaal. Hinweis: Text nach Prospekt des Stadtmuseums Bendorf/Rhein Herausgeber: Stadt Bendorf / Kulturamt
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